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Politik + Wirtschaft

Gute Ökonomie ist…

… nach Esther Duflo and Abhijit Banerjee, frische Nobelpreisträger für Wirtschaft. Sie schreiben im Guardian:

But good economics is much less strident, and quite different. It is less like the hard sciences and more like engineering or plumbing: it breaks big problems into manageable chunks and tries to solve them with a pragmatic approach – a combination of intuition and theory, trial and acknowledged errors. Good economics starts with some facts that are troubling, makes some guesses based on what we already know about human behaviour and theories that have been shown to work, uses data to test those guesses, refines (or radically alters) its line of attack based on the new set of facts and, eventually, with some luck, gets to a solution.

If we’re serious about changing the world, we need a better kind of economics to do it (Guardian)

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Wenn’s mit dem Bot intim wird

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Vor etwa einem Jahr war ich im Ars Electronica Museum in Wien und da lag sie vor mir: Paro, die Roboter-Robbe, die Menschen mit Demenz beruhigen soll. Ich hab sie auf meinen Schoss gelegt, sie gestreichelt, die Maschine mit Fell hat darauf reagiert und sich leicht bewegt. Es war angenehm. Ich kann mir gut vorstellen, dass das Kuscheltier mit Sensoren und Software in der Lage ist, Intimität herzustellen.


Die Forscherin Katherine Harrison befasst sich mit dem Zusammenspiel von Menschen und Robotern: Wie entsteht Vertrauen und Intimität?

Diese Begegnungen hat sie nun auch anhand eines anderen Beispiels erläutert, das erst einmal weit weg von der Altenpflege wirkt: dem Hack des Seitensprungportals „Ashley Madison“ 2015, bei dem Nutzerdaten von mehr als 30 Millionen Accounts veröffentlicht wurden.

Es stellte sich heraus, dass das Unternehmen im großen Stile Profile von Frauen anlegte, die es nur virtuell gab. Diese erfundenen Akteure schrieben als Frauen mit Männern Nachrichten hin und her, die auf der Suche nach einer Affäre waren. Der wirtschaftliche Clou dabei: Antworten durften die Männer nur, wenn sie zahlen. Zehntausende dieser Bots soll es laut Gizmondo gegeben haben, 80 Prozent der erstmaligen Käufe auf Kontakte zu Bots zurückgehen.

Das Ziel der Software von Ashley Madison war es, eine soziale Bindung aufzubauen. Und das ist wohl oft genug gelungen. Harrison beschäftigt sich in ihrem Aufsatz mit der Frage, was das für Intitmität bedeutet. Dieser Intimität, die wir als persönliche, individuelle Erfahrung sehen, beschreiben mit Worten wie echt, authentisch, privat, ja menschlich. Software ist also in der Lage automatisiert Intimität zu generieren – und diese entsteht ja nur, weil ein Mensch ein Erlebnis so empfindet.

Was macht das mit uns?

„Was ist, wenn diese Bots die Leute wirklich heiß machen? Was würde das darüber aussagen, wie wir Intimität heute verstehen? Wie könnten Bots ohne Loyalität zu den menschlichen Vorstellungen von Intimität unsere Vorstellungen davon, was Intimität sein/machen sollte, durcheinanderbringen oder in Frage stellen?“

Harrison sieht zwei Aspekte, mit denen wir uns befassen sollten:

  • Wir sollten überdenken, wo die Grenze zwischen Mensch und Maschine verläuft, im Sinne von: Was können Maschinen wie gut?
  • Wir sollten ggf. anpassen, wie wir Intimität charakterisieren.

Für Harrison ähnelt die Diskussion über Intimität einer Neuauflage der Online-Offline-Debatte, die in den letzten Jahren etwas ruhiger wurde: Wie echt ist das Online-Life im Vergleich zum Real-Life?

„Die Existenz der sozialen Bots spielt mit einer ewigen Angst, die mit dem Leben im Internet verbunden ist; Online-Interaktionen lösen Ängste um Authentizität und Identität aus, weil unsere Methoden zur Berechnung der Authentizität einer Entität erbärmlich altmodisch und fleischbasiert bleiben. Wenn du das andere Wesen nicht sehen, hören, riechen, berühren oder schmecken kannst, wie kannst du dann sicher sein, dass sie das sind, was sie sagen?“

Harrison beschreibt das als „ambient intimacy“, ein Begriff, der auch verwendet wird, um zu beschreiben, wie eine gewisse Intimität mit Personen entstehen kann, deren Lieblingstasse man kennt, obwohl man sich Tausende Kilometer entfernt befindet oder nur in der Arbeit sieht. Dank Instagram o.ä.

Zum Nachdenken über automatisierte Intimität passt gut der Zündfunk Generator Podcast „Muss ich nett zu einer KI sein?“. Darin blieb der Journalist Gregor Schmalzried ein Wochenende lang zu Hause und sprach mit niemanden – außer Bots wie Alexa, Siri oder Mitsuku, dem angeblich besten Chatbot der Welt.

Was ich sonst noch interessant fand:

Ein Münchner hatte obsessiv ein Privatarchiv zur Geheimsprache Rotwelsch aufgebaut hat. Rotwelsch ist eine Mischung aus Deutsch, Jiddisch und Hebräisch, gesprochen von Landstreichern und Fahrenden. Dessen Neffe, Professor für Literaturwissenschaften in Harvard, hat in Umzugskisten all die Unterlagen gelagert und sucht eines Tages nach der Doktorarbeit seines Großvaters, dem Vater des sammelnden Onkels. Was findet er? Antisemitisches Zeug – und ein Wettern gegen Rotwelsch. Die ganze, spannende Geschichte bei der taz: „Das Erbe“

Was braucht’s für eine erfolgreiche politische Bewegung? Keine Gewalt und etwa jede 30. Person muss aktiv daran teil nehmen.

Looking at hundreds of campaigns over the last century, Chenoweth found that nonviolent campaigns are twice as likely to achieve their goals as violent campaigns. And although the exact dynamics will depend on many factors, she has shown it takes around 3.5% of the population actively participating in the protests to ensure serious political change.

Herausgefunden haben das Erica Chenoweth und Maria Stephan, die sehr strenge Kriterien für Gewaltlosigkeit gewählt haben. Die indische Unabhängigkeitsbewegung ist ihrer Definition nach nicht „non-violett“.

Chenoweth argues that nonviolent campaigns are more likely to succeed because they can recruit many more participants from a much broader demographic, which can cause severe disruption that paralyses normal urban life and the functioning of society.

Mehr Details zur Forschung bei der BBC: The ‚3.5% rule‘: How a small minority can change the world

Ein Essay von Georg Diez in der taz zu Greta Thunberg nach ihrer Rede bei UN-Vollversammlung: Angst und Endlichkeit

„Die Botschaft von Greta Thunberg ist eine der praktischen Vernunft und der säkularen Ethik: Ich habe erkannt, vor dem Hintergrund der Endlichkeit allen Lebens, dass mein Handeln dazu führt, den Planeten zu zerstören, und ich ändere darum dieses Handeln, ich sehe die systemischen Zusammenhänge, aber ich fange mit mir an, im Sinne des kategorischen Imperativs Kants, seltsam verdammt dieser Tage und dabei Grundlage ethischen Handelns überhaupt – wie kann es sein, dass ihr, Erwachsene, sehenden Auges weitermacht mit der Zerstörung der Erde? Wie kann es sein, dass ich, das Kind, euch zeigen muss, was Vernunft ist?“

Über einen Jugendlichen, der in einer belagerten Stadt während des Syrienkriegs eine geheime Bücherei organisierte.

Zu viele vielversprechende Links überall? The Best Tools for Conquering Your Massive ‚Read Later‘ List

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Wo das Internet vergraben ist

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Wenn du mit deiner Fingerspitze ein 💚 in die Familien-Whatsapp-Gruppe schickst, wird die Nachricht nicht direkt von deinem Handy auf ein anderes geschickt. Sondern das 💚 passiert noch mindestens ein Rechenzentrum auf dem Weg*.

Diese Rechenzentren sind das Rückgrat des Internets. Dort lagen riesigen Hallen lagern auf blinkenden Computer unsere Daten. Firmen, Organisationen und Privatleute besitzen oder mieten solche Speicher. Und die Standorte sind vor allem von zwei Faktoren abhängig:

  • ein möglichst kurzer Weg zu schnellem Internet
  • ein möglichst effizientes Kühlen der Server

Das bedeutet zum einen: In Island, Schweden und andere kühlere Länder gibt es viele solcher Rechenzentren, zum Beispiel von Facebook und vielen anderen Firmen.

Zum anderen heißt das: Die Rechenzentren stehen da, wo es Glasfaserkabel gibt. Und wo sind diese Kabel häufig vergraben? An Eisenbahnlinien.

Für die USA zeigt das George Moore von Microsoft an der „41st parallel“, der ersten transkontinentalen Eisenbahnstrecke der Vereinigten Staaten.


Die Glasfaserkabel hat eine Tradition: Die ersten Kabel wurden für Telegramme verlegt, danach Telefonleitungen.

Moore schreibt:

After the first railway was completed, Western Union immediately established the first telecommunications corridor within the railroad right of way and was soon carrying all transcontinental telegrams. Later, as AT&T established long distance voice lines in the early-20th century, those same lines were also placed along the first transcontinental railroad. This collection of early lines grew and expanded to the vast collection of telecommunication options available in this corridor today.

In Deutschland war das ähnlich: Seit den späten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts wurden Telegrafen- und Telefonleitungen häufig an Eisenbahnlinien verlegt – muss man nur einmal umgraben.

* Direkt von einem Handy auf das andere werden Daten in einem sogenannten Peer-to-Peer-Netzwerk verschickt. Ein Thema für eine nächste Mail.

Andere Artikel, die ich empfehlen will:

In Schweden untersuchen Archäologen schon seit Jahrzehnten ein prächtig geschmücktes Wikinger-Grab. Selbstverständlich gingen sie dabei immer von einem Kämpfer aus. Dass es für eine Frau so ein Grab geben könnte – undenkbar. So brauchte es fast 150 Jahre bis jemand auf die Idee kam, das Geschlecht zu bestimmen. Und siehe da, es ward eine Frau. Die ganze Geschichte bei National Geographic.

Die tragische Lebensgeschichte einer Frau, die sich Eve Adams nannte und die erste Lesben-Bar in New York betrieb. Nachdem eine Undercover-Polizistin sie ihrer Homosexualität „überführt“ hatte, wurde sie deshalb nach Polen deportiert. Sie zog nach Paris und starb – sie war Jüdin, die Deutschen überfielen Frankreich – in Ausschwitz. Bei Atlas Obscura ist der Text erschienen.

Was ist Protest? Der Soziologe Dieter Rucht gibt eine Einführung in der Sendung Hörsaal des Deutschlandfunks.

Eine unfassbare Geschichte: Er gilt als der Facharzt für HIV- und AIDS-Patienten, er spricht auf Konferenzen, Journalisten fragen ihn als Experten an. Und genau dieser Arzt ist es auch, der in seiner Praxis Männer mutmaßlich belästigt und sexuell missbraucht haben soll. Ein offenes Geheimnis war das in der schwulen Szene, heißt es. Buzzfeed hat den Fall recherchiert und mit Opfern gesprochen.

Mehr oder weniger Datenschutz? In der Süddeutschen Zeitung gab es einen Pro und einen Kontra-Text. Sieger für mich: Dirk von Gehlen, der dem Mantra des Chaos Computer Clubs folgt: „Private Daten schützen, öffentliche Daten nützen“. Was kann das konkret heißen? Zum Beispiel mit allen technisch zur Verfügung stehenden Mitteln Autobahnen überwachen (das böse Wort!), damit niemand schneller als die erlaubte Höchstgeschwindigkeit fährt. In Deutschland wird sie ja weiterhin gern als Mindestgeschwindigkeit interpretiert. Und was passiert dann mit diesen Daten? Also welchen Auto mit welchem Kennzeichen fährt wo wie schnell? Das sind Dinge, die ausgehandelt werden müssen.

Und hier beginnt meine Skepsis: Ob das klappt? Gegenbeispiele gibt es genug. So hat der Bayerische Rundfunk gerade zusammen mit ProPublica herausgefunden, dass viele Patieninformationen aus der Radiologie einfach so im Internet liegen. Die Geräte wie ein MRT schicken die Bilder an einen Server und wer weiß, wie dieser Rechner zu finden ist, kann sich auch die Bilder und Daten holen.

Zum Abschluss:

Das Bild zeigt Flüge innerhalb von 24 Stunden in Europa. Topi Tjukanov visualisiert geografische Informationen wunderschön.

Eine schöne Zeit,

Katharina

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Die Zukunft suchen und nicht finden

Vorhersagen auf Basis von Berechnungen sind ein Spiel mit der Zeit.

Die Polizei ist auf einer Art Zeitreise. Sie will Verdächtige schon möglichst früh ausmachen – und das nicht nur im Flugverkehr. „Vor die Lage kommen“, nannte das der ehemalige BKA-Chef Jörg Ziercke.

Morgen ein Mörder

Und außerdem: Das Problem mit den Falsch-Positiven (SZ). Bei Prognose-Algorithmen kommt es nicht nur darauf an, welche Personen richtig erkannt werden, sondern auch darauf, welche Personen zu unrecht verdächtigt werden. Mathematisch nennt man diesen Fehler bei binären Entscheidungen (ja – nein, verdächtig, unverdächtig) die false-positve rate.

Bei der Gesichtserkennung am Berliner Bahnhof Südkreuz gibt die Polizei eine Falschtrefferrate von 0,1 Prozent an. Klingt wenig, die Zahl kleiner 1 führt aber in die Irre. In Wahrheit ist das ein unglaublich hoher, ein zu hoher Wert. Vanessa Wormer und Christian Endt rechnen das in der SZ vor:

  • Etwa 12 Millionen Bahnfahrer pro Tag
  • eine Falschpositivrate von 0,1 Prozent ergibt 12 000 unschuldig Verdächtige

Das ist das Problem an derartigen Systemen, die auf anlassloser Massenüberwachung fußen: Selbst bei sehr geringen Fehlerraten geraten ungleich viele Personen fälschlicherweise ins Visier der Fahnder.

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Pros and Cons of a Social Index

Heather Krause writes one of my favorite newsletter. She works at Datassist, a company working with NGOs and data journalists.

Recently, she wrote about social indices:

A social index is a summary of a complex issue (or issues). Generally, social indexes take a large number of variables related to a specific topic or situation and combine them to get one number. It’s often a single number, but can also be a rank (#1 country out of 180) or a category (“high performing”).

Heather Krause

Pros of social indices:

  • attract public interest
  • allow comparisons over time
  • provide a big picture
  • „reduce vast amounts of information to a manageable size“

Cons:

  • „disguise a massive amount of inequality in the data“
  • simplistic interpretations
  • hide emerging problems of some variables

So, should we use them?

Krause says, „yes“, but …

If we’re using an index to understand a trend or situation, we also need to look at the individual elements that make up that index.

Datassist published a list with various indicators here.

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Zuboff und das Zeitalter des Überwachungskapitalismus

Shoshanna Zuboff beobachtet und interpretiert die Digitalisierung seit 40 Jahren. Die Professorin an der Harvard Business School hat ein Buch geschrieben, das der Guardian in eine Reihe mit Adam Smith, Karl Marx, Max Weber, Karl Polanyi und Thomas Piketty stellt. Es heißt The Age of Surveillance Capital und es sollte bald in meinem Buchregal stehen, wie ich finde.

Ein Auszug aus einem Interview mit dem Guardian:

In my early fieldwork in the computerising offices and factories of the late 1970s and 80s, I discovered the duality of information technology: its capacity to automate but also to “informate”, which I use to mean to translate things, processes, behaviours, and so forth into information. This duality set information technology apart from earlier generations of technology: information technology produces new knowledge territories by virtue of its informating capability, always turning the world into information. The result is that these new knowledge territories become the subject of political conflict. The first conflict is over the distribution of knowledge: “Who knows?” The second is about authority: “Who decides who knows?” The third is about power: “Who decides who decides who knows?”

(…)

Surveillance capitalists were the first movers in this new world. They declared their right to know, to decide who knows, and to decide who decides. In this way they have come to dominate what I call “the division of learning in society”, which is now the central organising principle of the 21st-century social order, just as the division of labour was the key organising principle of society in the industrial age.

Shoshanna Zuboff

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Politik + Wirtschaft

An economist’s view on AI

Michaela Schmöller, writes in „Secular stagnation: A false alarm in the euro area?“ for the Bank of Finland

It is important to note that productivity growth evolves in a two-stage process: the initial invention of new technologies through research and development, subsequently followed by technological diffusion, i.e. the incorporation of these new technologies in the production processes of firms. As a result, even though many important technology advances may have been invented in recent times, they will only exert an effect on output and productivity once firms utilise these technologies in production. Potential productivity gains from technologies that have yet to be widely adopted may be sizable. A central example is the field of artificial intelligence in which future productivity gains may be considerable once AI-related technologies diffuse to the wider economy. (…)

AI may represent — as did the steam engine, the internal combustion engine and personal computers — a general purpose technology, meaning that it is far-reaching, holds the potential for further future improvements and has the capability of spurring other major, complementary innovations over time with the power of drastically boosting productivity. Incorporating AI in production requires substantial changes on the firm-level, including capital stock adjustments, the revision of internal processes and infrastructures, as well as adapting supply and value chains to enable the absorption of these new technologies. Consequently, this initial adjustment related to the incorporation of general purpose technologies in firms‘ production may take time and may initially even be accompanied by a drop in labour productivity before delivering positive productivity gains.


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Lesenswertes Politik + Wirtschaft

Die Wirtschaft und das Mitgefühl

WIR statt Gier

Die Zeit schreibt darüber, dass langsam auch in der Ökonomie die Einsicht einkehrt, dass – ja, echt jetzt – nicht der Egoismus alleine die Welt, und damit auch die Wirtschaft, antreibt. Na gut, dass weiß man seitdem Experimente in der Spieltheorie nicht so ausgehen, wie sie mathematisch zu erwarten sind.

Es sind also auch die Beziehungen zu anderen Menschen, die unser Verhalten und unsere Motivation beeinflussen. Im positivsten Sinne durch Mitgefühl. Was das für die Wirtschaft bedeuten kann, darum geht’s in dem Zeit-Text. Eine Studie, auf die sich darin bezogen wird, erklärt die Neurowissenschaftlerin Tania Singer hier:

Mit Mitgefühl hat sich vor wenigen Wochen auch die Sendung Radiowissen auf Bayern 2 befasst: Mitgefühl – Was Hirnforscher darüber wissen hieß die Sendung. Darin wird deutlich: Empathie und Mitgefühl ist nicht das gleiche:

  • Empathie ist es, wenn wir ein Gefühl des anderen nachvollziehen können. „Eine Kopie des Gefuühlszustands der anderen Person“, wie der Wiener Neurowissenschaftler Claus Lamm sagt.
  • Mitgefühl ist mehr: Empathie plus der Wunsch, die Freude der anderen Person zu vergrößeren oder Leid zu verringern.
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China + die Welt Politik + Wirtschaft

Eine kleine Leseliste zur Kulturrevolution in China

Die Kulturrevolution in China wird 50: 1966 ging es los mit Chao und Gewalt. 1981 bezeichnete die chinesische Regierung die zehn Jahre als Disaster. Inzwischen folgte Maos Herrschaft offiziellen Verlautbarungen zufolge fast dem Pareto-Prinzip: 70 Prozent waren gut, 30 Prozent nicht ganz so sehr.

Ein paar Links:

Das Erbe von Maos Kulturrevolution zerfrisst China immer noch – SZ

Kai Strittmatter beschreibt die Gewalt der Kulturrevolution als das zentrale Element, um das heutige China zu verstehen. Denn wie die menschengeschaffene Hungersnot in den 50ern und die Aufstände vom Tian’anmen-Platz Ende der 80er lautet die Vorgabe der KP: Vergessen – und wenn das nicht geht zumindest verschweigen.

„Die Jugend horchte, jubelte, verfiel in Raserei. Die Kulturrevolution wurde auch von den Studenten in Europa bejubelt, auf den Straßen von Paris und Berlin. Keiner wollte sehen, was wirklich geschah: Mao gab China dem Irrsinn preis. Schülerinnen schlugen ihre Direktorinnen tot, Studenten ersäuften ihre Professoren, Ehemänner schickten ihre Frauen ins Arbeitslager und Söhne ihre Mütter aufs Schafott.“

(Um die lange Version des Textes zu lesen, braucht es ein SZ-Abo, zumindest die Probierversion.)

„Attraktive Grausamkeiten“ – Interview mit dem Historiker Gerd Koenen in der Taz

Koenen befasst sich mit der Geschichte des Kommunismus. Er sagt:

„Kulturrevolution wohl das ungewöhnlichste Ereignis in der Geschichte des Kommunismus im 20. Jahrhundert war. Denn es war fast das einzige Mal, dass Kommunisten an der Macht in einer sogar bewusst chaotisierenden Weise von der Spitze her an die Massen appellierten. Und zwar besonders an die Masse der Jugendlichen, gegen die älteren Kader der Partei zu rebellieren. Das hatte es vorher noch nicht gegeben. Ebenso wissen wir heute, dass die Kulturrevolution für Mao einer eigene Ratio der Macht folgte. Das Chaos schien eigene Strukturen zu haben.“

Mao sah sich als „großer Steuermann“, der große Meister hinter dem Chaos, aus dem eine neue Ordnung entstehen sollte.

Maos Werkzeugkasten – Zeit

Ein paar Jahrzehnte nach den anarchischen Zuständen ist langsam genug Wasser den Yangtse hinuntergeflossen, um sich langsam wieder der Methoden der Kulturrevolution zu bedienen: „Führungskult, Repression, Zentralismus: Chinas Parteiführung bedient sich gerade eines Instrumentenkastens aus den sechziger Jahren“, schreibt Steffen Richter in der Zeit.

China’s ‚lost generation‘ recall hardships of Cultural Revolution – CNN

Ein Schicksal von vielen: Hu Rongfen musste aus Shanghai nach Anhui.

„I still can’t bear to recall my youth spent on the farm,“ she says.

“If there had been no Cultural Revolution, then I would not be who I am today. People who haven’t been through it can’t appreciate how easy everything else is. It wasn’t the manual labor. That’s a different kind of hardship. This was the worst kind of bitterness. You are constantly told: ‘You are against the revolution, so therefore you have no right to speak.‘ … That burden, that burden on your spirit, is very heavy.” 50 years ago this week, when Mao Zedong reasserted his control of the Communist Party, he set in motion a decade of chaos and torment in China. @nytimes asked readers to share stories about how they were affected by the Cultural Revolution. Chen Qigang, a 64-year-old composer in France who @adamjdean photographed in Beijing last month, was in middle school in Beijing when the movement began. Visit the link in our profile to hear more voices from China’s #CulturalRevolution.

Ein von The New York Times (@nytimes) gepostetes Foto am

Wikipedia zur Kulturrevolution

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Kultur + Gesellschaft Politik + Wirtschaft

Keine Struktur ist auch keine Lösung

Gruppen ohne Strukturen gibt es nicht, schreibt Jo Freeman in The Tyranny of Structurelessness

Und macht auch keinen Sinn, meint Freeman Anfang der 70er Jahre als sie die Frauenbewegung beschreibt und alle Gruppen meint. Empfohlen hat den Text Kathrin Passig auf der Republica. Zurück zum Thema:

„(…) to strive for a structureless group is as useful, and as deceptive, as to aim at an „objective“ news story, „value-free“ social science, or a „free“ economy.“

  • Gruppen ohne Strukturen gibt es nicht
  • Zwar geht es ohne formellen Regeln, aber keinesfalls ohne informelle Regeln
  • Doch diese informellen Regeln machen es für Außenstehende oder Neulinge schwierig, Entscheidungen zu verstehen und zu beeinflussen
  • Informelle Regeln befördern Eliten innerhalb von Gruppen, v.a. dann, wenn sie auch Freundschaften begründen: „It is this informal structure, particularly in Unstructured groups, which forms the basis for elites.“