Daten alleine sind nichts wert, gut müssen sie sein

Eines steht fest: Tech-Unternehmen wollen und brauchen die Daten ihrer Kunden, um ihre Services zu verbessern und mehr Geld zu verdienen. Daten allein sind aber kein Wert an sich. Nur gute Daten, bringen Vorteile. Im Falle von Netflix heißt das: Das Alter und Geschlecht der Nutzer ist nicht von Interesse – sind also schlechte Daten. Die Menschen sind viel zu individuell, als dass Netflix mit diesen Angaben valide Rückschlüsse auf Film- und Seriengeschmack machen könnte. Stattdessen: Was schauen die Leute? Was finden sie gut, was schlecht? Nur auf dieser Basis kann Netflix treffende Empfehlungen machen. Das ist wichtig, schreibt das Magazin Mashable:

„Between 75% to 80% of the videos that Netflix users end up watching on the service come directly from the company’s recommendations about what to watch next. To put that another way, just one fifth of the content viewed on the site is from users visiting Netflix and choosing to go through the steps of typing out the name of something they want to see. The better the suggestions Netflix can make, the more videos users will stream, and the more customers will want to continue paying for the service.“

Also, nochmal zum Mitschreiben: Gute Daten im Falle Netflix‘ sind die, die sagen, was die Leute mögen oder nicht mögen. Eigentlich ganz simpel.

Was ich gestern im Zug gelesen habe (und interessant war)

The future of news is… Sasha Fierce

Das Nieman Lab der Harvard Universität, das die Debatte um den Journalismus der Gegenwart und Zukunft entscheidend prägt, hat Medienmenschen gefragt, was sie von 2014 erwarten. Einer der Beiträge ist von der Technologie-Journalistin der New York Times Jenna Wortham und handelt vom direct-to-consumer model am Beispiel des neues Albums von Beyoncé. Der entscheidende Absatz:

„Her monumental success with the release may also be an indicator that the direct-to-consumers model, the same one that startups like streaming services VHX and ebooks startups like Emily Books are using, can create increasingly viable and sustainable businesses. Beyoncé’s album is currently only available through iTunes: People had to pay for the content and download it in order to listen to it. And many, including myself, didn’t hesitate to buy it, and those of us who did are not disappointed. The digital-first release didn’t compromise the quality or the originality of the album — it’s one of her best releases to date. The demand is there if the experience is new enough and original enough.“

(Markierung von mir)

Power and Responsibility
Wirklich kein leichter Text (nicht sprachlich, sondern thematisch), bei dem ich nicht sicher bin, ob ich ihn ganz verstanden habe. Trotzdem unbedingt lesen!


Er beginnt so:

„The doorbell rang one morning while I was getting ready for work. My then-boyfriend was asleep in our room. The dogs were quiet. The house was at rest. I walked downstairs to answer the door.“

Paying more attention to the public

Nochmal Nieman mit folgendem Konflikt: Was berichten Medien vs. was wollen die Konsumenten.

„So if 2013 has brought us two powerful reminders of the market failures of high quality and public-service journalism in the digital age, then what might we expect for 2014? Economically strapped and disheartened after years of losing ground, leading news organizations might finally begin paying more attention to what the public does and deliver services and products to meet it where it is at. But what is it that the public wants and what will be the consequences of catering to their preferences?

(…)

But what does the public want? The answer is again two words: straight news. A concise and straightforward rendition of the main facts is the format of the majority of the most popular stories in the sample, with feature-style storytelling coming in a distant second place.“

Die Linke hat auch keine Antwort
Ein Interview, wie es mir in den Kram passt: Kritik an der Volkswirtschaftslehre gepaart mit der Forderung nach mehr Dogmengeschichte in der Ökonomie – keine Überraschung, schließlich ist der Befragte Philip Mirowski Wirtschaftshistoriker.

Minimalismus ist pareto-optimal

Although I sometimes use the terms ‘minimal’ and ‘simple’ as if they were interchangeable, by definition, minimalism actually refers to the paring down of elements to get to the essence of a thing. This doesn’t mean you practise minimalist design simply by removing ornamentation; it means you ensure that every part of the design works together to the point where nothing else can be added or removed to improve it. It’s not easy to do well

aus: 5 killer ways to use minimalism

an einem verregneten Sonntag: Marktanteile, Selbstmord und Studienabbrecher

Meet the Man Who Sold His Fate to Investors at $1 a Share

Mike Merrill hat 2008 100 000 Anteile von sich selbst für jeweils einen US-Dollar verkauft. Die Anteilseigner bekommen so das Recht, über ihn und sein Leben zu bestimmen: Wann er schläft, wann er arbeitet, was mit seiner Lebensversicherung passiert (natürlich wird sie unter ihnen aufgeteilt). Seine Freundin hat mit 19 Anteilen nur ein Stimmrecht von unter einem Prozent, ihre Meinung spielt daher zwangsläufig nur eine untergeordnete Rolle. Als es darum geht, ob Mike sich sterilisieren lassen soll, kann sie nur knapp eine Mehrheit dafür verhindern.

Das ist jetzt nur die Hälfte der abstrusen und beängstigenden Geschichte auf Wired. Unbedingt lesen!!!

via @hakantee

Was ist Ihnen das Leben dieser Maus wert?

Viele Volkswirte sehen ihre Wissenschaft als frei von normativen Fragestellungen. Konsequenterweise hat Moral in den meisten Aufsätzen keinen Platz.

Bloß, wie testet man, ob die Moral am Markt besonders gefährdet ist?

 

Die Antwort der Forscher: Teilnehmer eines Experiments sollten entscheiden, ob sie in einer Welt von Angebot und Nachfrage für Geld eine Sünde begehenwürden. Aber welche? Da half der Zufall. Von einem Medizinforscher erfuhr Falk, dass es Labors gibt, die massenweise genetisch veränderte Mäuse für Experimente züchten – und diejenigen vergasen, bei denen die Manipulation versagt. Für ihr Experiment arbeiteten Falk und seine Mitstreiter mit einem solchen Labor zusammen. Die Sünde, das würde nun das Töten von Mäusen sein.

So viel sei schon mal verraten: Moralische Werte scheinen am Markt keine große Rolle zu spielen.

 The Suicide Epidemic

In der „Newsweek“ nimmt man sich ausführlich des Themas Suizid an und spricht unter anderem mit einem Psychologen, der eine Theorie des Selbstmords entwickelt hat.

Why do people die by suicide? Because they want to. Because they can. Dozens of risk factors banged down to a formula he shared with me in his office: “People will die by suicide when they have both the desire to die and the ability to die.” When he broke down “the desire” and “the ability,” he found what he believes is the one true pathway to suicide.

Pluspunkt: Eine wirklich großartige Webseite, auf das Lesen großen Spaß macht.

Deutsche Spitzenpolitiker verschleiern ihre Studienabbrüche

Schandfleck abgebrochenes Studium: Wirklich souverän gehen Bundestagsabgeordnete, die ihr Studium – meistens zugunsten der Politik – aufgegeben haben, nicht damit um. Die FAZ hat die Betroffenen befragt und besonders bei der Union scheint ein fehlender Abschluss schwierig.

 

Lesenswertes: „Internet“, Internet

Toward a Complex, Realistic, and Moral Tech Criticism

Nach Schirrmachers „Ego“ ist das neue Buch von Evgeny Mozorov der neueste Schrei im netzpolitischen Feuilleton. Im „The Atlantic“ findet sich lange, interessante, kritische Rezension von „To Save Everything, Click Here“.

Nachrichten an niemand Bestimmten

Leute, die ins Internet schreiben, sind gnadenlose Selbstdarsteller. Mit dem Vorwurf beschäftigt sich Kathrin Passig gewohnt unterhaltsam, indem sie Kleinstädte und Großstädte gegenüberstellt.

 

Netzökonomie: Pick and Choose

Würde die New York Times alles Abonenten ein iPad kaufen, käme das die Zeitung günstiger als der Druck und die Verteilung an die Leser – selbst, wenn die Leser jedes Jahr ein neues iPad bekommen. Mit dieser Annekdote startet der Ökonom Josuah Gans in seinen Vortrag mit der Überschrift „Will the Internet Kill the News Media?“

Gans hat zusammen mit zwei Kollegen ein Modell entwickelt, in dem er den Zusammenhang zwischen Lesern, Zeitungen (zweiseitige Plattformen) und Werbekunden aufzeigt. Was an dem Modell zentral ist, ist die Tatsache, dass in Betracht gezogen wird, dass ein Leser nicht nur bei einer Onlineausgabe liest, sondern je nach Gusto zwischen verschiedenen Angeboten wechselt: „Pick and Choose“ ist die Devise – und die Werbenden müssen auch auf mehreren Plattformen präsent sein.

Die These: Wenn es Leser gibt, die zwischen Angeboten wechseln, die sogenannten Switcher, dann sinken die Werbeeinnahmen. Und Blogs lassen die Preise wieder steigen (1:08 Stunde).

Um diese Erkenntnis ist das Modell gebaut worden, das Gans ab Minute 28 erklärt, davor kommt nur obige Annekdote und Statistiken dazu, dass Werbeeinnahmen zurückgegangen sind.

Das dazugehörige Paper: The Impact of the Internet on Advertising Markets for News Media 

Mehr zu zweiseitigen Plattformen gibt bei Neunetz: Zweiseitige Märkte: Die Grundlagen

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